Monday, June 1, 2009

Goethe in Taormina

From 'Italienische Reise'
Taormina, Montag, den 7. Mai 1787

Gott sei Dank, daß alles, was wir heute gesehen, schon genugsam beschrieben ist, mehr aber noch, daß Kniep sich vorgenommen hat, morgen den ganzen Tag oben zu zeichnen. Wenn man die Höhe der Felsenwände erstiegen hat, welche unfern des Meeresstrandes in die Höhe steilen, findet man zwei Gipfel durch ein Halbrund verbunden. Was dies auch von Natur für eine Gestalt gehabt haben mag, die Kunst hat nachgeholfen und daraus den amphitheatralischen Halbzirkel für Zuschauer gebildet; Mauern und andere Angebäude von Ziegelsteinen, sich anschließend, supplierten die nötigen Gänge und Hallen. Am Fußedes stufenartigen Halbzirkels erbaute man die Szene quer vor, verband dadurch die beiden Felsen und vollendete das ungeheuerste Natur und Kunstwerk. Setzt man sich nun dahin, wo ehmals die obersten Zuschauer saßen, somuß man gestehen, daß wohl nie ein Publikum im Theater solche Gegenstände vor sich gehabt.


Rechts zur Seite auf höheren Felsenerheben sich Kastelle, weiter unten liegt die Stadt, und obschon diese Baulichkeiten aus neueren Zeiten sind, so standen doch vor alters wohleben dergleichen auf derselben Stelle. Nun sieht man an dem ganzenlangen Gebirgsrücken des ätna hin, links das Meerufer bis nach Catania, ja Syrakus; dann schließt der ungeheure, dampfende Feuerberg das weite, breite Bild, aber nicht schrecklich, denn die mildernde Atmosphäre zeigt ihn entfernter und sanfter, als er ist. Wendet man sich von diesem Anblick in die an der Rückseite der Zuschauer angebrachten Gänge, so hat man die sämtlichen Felswändelinks, zwischen denen und dem Meere sich der Weg nach Messinahinschlingt. Felsgruppen und Felsrücken im Meere selbst, die Küstevon Kalabrien in der weitesten Ferne, nur mit Aufmerksamkeit vongelind sich erhebenden Wolken zu unterscheiden. Wir stiegen gegen das Theater hinab, verweilten in dessen Ruinen, anwelchen ein geschickter Architekt seine Restaurationsgabe wenigstens auf dem Papier versuchen sollte….,

Goethe's journey through Italy is documented very pretty by postcards or 'Ansichtkarten'. You can enjoy his trip hier

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